Letzte Änderung: 17.09. 2013

J. Rave St.-Ursula-Gymnasium Attendorn

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RUSSLAND (1890 - 1914)

 

Politik

     

    Regierungsform

 

Autokratie

     

      Definition: Oberbegriff für alle Regierungsformen, in denen die uneingeschränkte Staatsgewalt in der Hand eines einzelnen Herrschers (Autokrat) liegt. Autokratische Herrschaften verstehen sich legitim, ohne Befragung des Volkes und jeder Machtkontrolle entzogen.

      (Meyers Enzyklopädisches Lexikon)

       

      derzeitige Autokraten:

      Alexander III. (1881-1894)

      Nikolaus II. (1894-1917)

       

       

     

b)Regierung

    Außenpolitik

     

    - Imperialismus

    Ausdehnung in den Fernen Osten, Zentralasien

    =) Probleme mit dem britischen Reich

    Lösung: 2 Verträge 1887/1895

    (Parmirgebiet als Pufferzone)

      =) Stabilisierung des Problems

1907 Abgrenzung der Interessensphären

 

=)Probleme mit Japan:

Rußland besetzt Mandschurei, Interessenkonflikt Korea

=)russisch-japanischer Krieg (1904-1905)

vernichtende Niederlage für die russische Armee und Flotte bei chinesischen Landkriegsschauplätzen (Mudken) und der Seeschlacht bei Tsushima

 

- Bündnispartner

°1887 Rückversicherungsvertrag mit Deutschland

1890 nach Sturz Bismarcks nicht verlängert

°1892 Militärkonvention =) vertragliche Bindung an Frankreich

 

2. Innenpolitik

Zarenreich steckt in einer Krise; alle Versuche durch halbherzige Reformen oder Kriege von den Problemen abzulenken scheitern; viele Demonstrationen, Aufstände und Märsche; Zar wird vom Adel unterstützt, muß aber dem Druck der Bevölkerung nachgeben

-17. Oktober 1905 „Oktobermanifest"

° Einrichtung eines gewählten Parlamentes („Duma")

° Garantie der bürgerlichen Freiheit

=) alle Gesetze sind vom Reichsrat und dem Zaren zu genehmigen;

Zar hat in Fragen der Modernisierung die absolute Entscheidungsgewalt;

Notverordnungen

 

-10.05.1906 Verfassung durch Reichsgrundgesetze

     

    -1.Duma (1906) durch Wahlen

    Parteien:

    ° Konstitutionelle Demokraten (Kadetten)

      Soziale Basis: schwach entwickelte Bürgertum; liberale Reformen, Einführung eines parlamentarischen Systems; stärkste Fraktion

    ° Sozialrevolutionäre

    ländliche Bevölkerung; revolutionär - sozialistische Umgestaltung des Landes

    ° Sozialdemokraten

    2 Lager: -Menschewiki =) Reformpolitik

    -Bolschewiki =) Wahl boykottiert

    ° „Oktobristen" (konservative Partei)

    Wirtschaftlich besser gestellte Grund- und Gutsbesitzer

    Volk ist nicht zufrieden =) Auflösung der 1.Duma

     

    -2.Duma (1907)

    65 oppositionelle Sozialdemokraten werden verhaftet und nach Sibirien verbannt; neues Wahlgesetz =) Ausschluß der Bevölkerung

     

-3.Duma (1907-1912)

regierungsfreundliche Mehrheit

° Agrarreform (1906-1911) von Ministerpräsident Stolypin

Ziel: Entstehung eines bäuerlichen Mittelstandes

=) eigener Grund und Boden; kein Kollektiveigentum mehr

=) Flurbereinigung zum rationellerem Arbeiten

=) Siedlungsprojekt in Sibirien und Zentralasien

alles geht aber nur schleppend voran

 

-1913: 300jähriges Bestehen der Romanow - Dynastie

      Zar ist es nicht gelungen, Demokratisierung von Staat und Gesellschaft entscheidend voranzutreiben; nur konstitutionelle Zugeständnisse;

      Parteien außerhalb jeglicher politischer Verantwortung

      =) „Scheinparlamentarismus"

       

  • Wirtschaft (zwischen1880 und 1914)
  •  
  • Rußlands Standard zur Jahrhundertwende: „Entwicklungsland"
  • Definition: u.a. ungenügende Nahrungsversorgung
  • niedriger Lebensstandard
  • schlechtes Sozialwesen
  • traditionelle Wirtschaftsformen verbunden
  • mit einigen Industrieansätzen
  • Kapitalmangel für Investitionen
  •  
  • Rußlands Standard nach 1900: „Schwellenland"
  • Definition: u.a. schlechter Lebensstandard
  • schlechtes Sozialwesen
  • Industrieaufbau bis über 50%
  • Kapital für Investitionen

 

Typisch ist auch, daß die gesellschaftliche

                      und soziale Entwicklung mit der wirtschaftlichen nicht Schritt gehalten hat.

                       

                       

  • Verhältnis Landwirtschaft und Industrie
  • Agrarstaat (Bauern 80% der Bevölkerung, Industriearbeiter saisonbedingt 5%) mit punktförmigen Industrieansätzen (Moskau, St. Petersburg u.d. sog. Hüttenbezirk)
  • Hauptgrund: Zaren fürchten westl. Fortschritt (Industrie/ Technik) als Verbindung zum Liberalismus, der Umsturzgedanken auslösen kann
  • Reformversuche 1856 „Bauernbefreiung": Leibeigenschaft kann gegen hohes Entgelt aufgelöst werden
  • Industrialisierungsversuche ab1881 unter Finanzminister Witte, die aber von einer Wirtschaftskrise (Inflation) unterbrochen werden bis zur Revolution 1917
  • Inflation ausgelöst durch Erhöhung der Staatsschulden (zur Finanzierung der Reformpläne gibt vor allem Frankreich hohe Kredite) und sinkendem Lebensstandard der Bevölkerung (Vermehrung der gering entlohnten Industriearbeiterschaft; vom Staat geregelter Getreideexport nimmt den Bauern zuviel = Produkte (der Industrie) finden kaum Abnehmer)
  •  
  •  
  • Landwirtschaftliche Nutzungsvoraussetzung
  • Klima
  • Norden sehr tiefe Temperaturen und mäßige Niederschläge (300- 500mm)
  • = Boden zu feucht
  • Süden heiße Sommer mit mäßigen Frühjahrsniederschlägen (300- 400mm)
  • =Boden im Sommer sehr trocken
  • Osten meist große Winterkälte und Frost vom Frühherbst bis Spätfrühjahr
  • = hohes Risiko für Getreideanbau
  • Steppengebiet (Süden und Osten) sehr geringer Niederschlag und heiße, trockene Winde
  • =ausgedörrter Boden und Erosionsgefahr
  •  
  • 50% Rußlands hat eine Wachstumszeit von unter 100 Tagen, die nicht alle frostfrei sind
  • 30% ist landwirtschaftlich nicht nutzbar (15% Tundra, 10% Wüste)
  • Boden: 50% Rußlands hat den Podsolboden (kalt, sauer und humusarm)
  • =kann bei guter Düngung genutzt werden
  • 12% Schwarzerdeböden (sehr fruchtbar)
  •  
  • Die Landwirtschaft in Rußland ist stark gefährdet und bringt den Bauern wenig ein:
  •  
  •  
  • Rohstoffpotential
  • Reichtum in allen wesentlichen Gruppen:
  • „klassische" industrielle Rohstoffe wie Kohle und Eisen (einschließlich den Stahlveredlern Mangan, Chrom und Eisen)
  • Erdöl und Erdgas, die im Zarenreich jedoch wenig Bedeutung haben
  • Buntmetalle wie Kupfer, Blei, Zink, Nickel, Kobalt, Wolfram, Blei und viele andere, die für eine moderne Maschinenindustrie unentbehrlich sind
  • Grundstoffe der chemischen Industrie wie Apatit, Phosphorite, Kali- und Natronsalze
  • Gold, Platin und Edelsteine
  • Eine solche Rohstoffsituation ist eine solide Basis für einen Industriestaat. Allerdings werden im Zarenreich fast 50% und mehr eingeführt.
  • Probleme: Lagerstätten oft unzulänglich (Sibirien) und kaum Umsetzungsmöglichkeiten
  •  
  • Hauptindustriezweige
  • Eisenbahn: Anschluß an Sibirien und Imperialismus
  • Ölindustrie von Schweden finanziert
  • Textilindustrie vom Deutschen Reich finanziert

Ausland profitiert (daher Finanzierung), R . abhängig vom ausländischen Markt

Zu Beginn des 19. Jh. In fast allen Industriezweigen an 4. Stelle der Weltrangliste, jedoch ohne Bezug zur Bevölkerungsdichte.

1914 den Status des Entwicklungslandes hinsichtlich der Wirtschaft verlassen.

 

Industriepotential

von 1880 bis 1913 gemessen an Großbritannien (GB) 1900 = 100

 

Vergleich der russischen und der deutschen Industrieentwicklung,

weil beide Länder 1880 ungefähr gleiche Zahlen aufweisen und die Unterschiede besonders deutlich werden.

1880 Rußland (R) hat ein Industriepotential von 24.5

Deutschland (D) 27.4

1900 R`s Entwicklung schleppend, nur Steigerung um 23 Punkte

D dagegen (fast) doppelt soviel, nämlich 43.8 Punkte

1913 verbessert sich R nochmals um 29.1 Punkte, während

D 66.5 Punkte zulegt

Insgesamt verläuft die Entwicklung der russischen Industrie proportional und im Gegensatz zum Westen nur schleppend,

d.h. R hat 1913 nur die Hälfte des dt. Industriepotentials; es liegt technisch, industriell und somit wirtschaftlich gegenüber D 10 und GB sogar 30 Jahre zurück (GB hat 1880 bereits den Stand R`s 1913)

 

Relative Anteile an der Welt - Industrieproduktion (in %)

Vergleich R/D

1880 D hat 8.5% Beteiligung an der Industrieproduktion,

R 7.6%

1900 D bereits 13.2 , das sind + 4.7

R nur + 1.2

1913 D zwar nur + 1.6, R aber -0.6

D insgesamt eine Steigerung der Industrieproduktion von 6.3% ,

während R in 33 Jahren nur 0.6% Steigerung

d.h. R`s Industrieproduktion stagniert im Zarenreich und ist für die Weltproduktion relativ unerheblich

 

Handelsbilanz

Außenhandel

    Nahrungsmittel werden bis 1903 stark exportiert, dann sind die Zahlen (unerheblich) rückläufig

durchschnittlich werden 56% der Nahrungsmittel ins Ausland

verkauft, eingeführt werden durchschnittlich 19%

= R ist ein Selbstversorger und der Staat finanziert sich hauptsächlich über den Verkauf seiner Nahrungsmittelproduktion

Nahrungsmittel, die zwar wichtig sind , aber heimisch nicht oder nur gering produziert werden können, müssen nur zu 20% eingeführt werden

Risiko: zu hohe Abgaben von (Vorrangig) Getreide ans Ausland (Bauernarmut) , gerade wegen der geringen und risikobehafteten Nutzbarkeit des Landes (Klima, Böden) angesichts der Bevölkerungsgröße

 

    Fertigprodukte werden zunehmend exportiert (in 33 Jahren + 2% Punkte) , durchschnittlich werden jedoch nur 5% Fertigprodukte exportiert, dagegen werden durchschnittlich 30% importiert

= R`s Wirtschaft hat sich auf den Verkauf von Nahrungsmitteln als Wirtschaftsträger eingestellt (das Land produziert hauptsächlich Nahrungsmittel) , die Industrie gewinnt zwar Anteile am Außenhandel, ist aber mit 5% doch kaum gewichtig

 

(Ausgebildete) Arbeitskräfte

Ausgebildet ist nur eine geringe Bevölkerungszahl, die Hauptarbeitskräfte sind in der Landwirtschaft beschäftigt,

eine kapitalkräftige Bürgerschicht fehlt

(siehe auch „Gesellschaftsordnung")

 

 

3Soziale Entwicklung

 

     

    Situation der Gesellschaft

     

- Vielvölkerstaat ohne Verfassung

verlorener Krieg = größeres Elend

- Arbeiter 1905 unzufrieden; erflehen Hilfe beim Zaren; vergeblich; Antwort des Zaren ist Gewalt =) hunderte von Toten durch Eingreifen kaiserlicher Garden; „Blutiger Sonntag"

=) revolutionäre Unruhen in Großstädten

 

    Reformmaßnahmen durch Zaren als Reaktion(1., 2., 3. Duma), die jedoch keine wesentliche Veränderung bringt, da Zar Oberbefehl behält

    ländliche Bevölkerung politisch Aktive als Sozialrevolutionäre, die in Volksversammlung einziehen durften.

    Arbeiterpartei Vertreter des Proletariats

     

    In 3. Dumaperiode (1907-1912) Agrarreform:

    Mehrheit der Landbevölkerung jedoch weiterhin in großer Armut, da zu mittellos, um sich sofort von Lehnsherren loszulösen (= langfristig angelegte Reform); hohe Geburtenrate, da traditioneller Agrarstaat; hohe Sterberate (Hunger, keine Weiterentwicklung in Medizin, schlechte Lebensbedingungen)

    29% der männlichen und 13% der weiblichen Bevölkerung konnte lesen

    durch schlechten Zustand der Bevölkerung kaum Kriegsmotivation im Volk

    revolutionäre Bewegungen zeigen Rückhaltslosigkeit der Regierung im Volk

    Versorgungsschwierigkeiten

    ständiger Vergleich der russischen Bevölkerung mit Europa =) Neid

    hebende allgemeine Volksbildung, wachsendes Bewußtsein der Rückständigkeit

       

      Gesellschaftsschichtung um 1913

       

     

 

 

    =) Gesellschaft mit Individualismus, Mobilität und Rationalität

    Orientierungslosigkeit, nicht genügend Anpassungsfähigkeit

- Kapitalarmut, Menschenüberfluß auf dem Lande, Polizei auf Seite der Unternehmer

- tiefgehende politische Aktivierung der Massen

- Charakterschwäche des Zaren Alexander III.; Unfähigkeit, die Massen, geschweige denn die Minister auf seine Seite zu ziehen; vom Hofe und Bürokratie zunehmend gehaßt

 

     

    Einschätzung der Kampfstärke

     

    kein Rückhalt des Zaren im Volk

    Rüstungsausgaben in Mill. Mark:

1905: 1069

1910: 1435

1913: 2050

    Bestand an Groß - Kampfschiffen:

    12 im Bau

      Truppenstärke: 12 Millionen (1897)

      Einwohnerzahl: 111,9 Millionen

      schwerfällige russische Mobilmachung

      Rußland durch Revolution geschwächt

      Waffen - /Munitionstransport schwierig, da Eisenbahn(netz) nicht sehr belastbar

       

       

       

       

Yvonne Stuff, Stephanie Cordes, Corinna Blum