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RUSSLAND (1890 - 1914)
Politik
Autokratie
Definition: Oberbegriff für alle Regierungsformen, in denen die uneingeschränkte Staatsgewalt in der Hand eines einzelnen
Herrschers (Autokrat) liegt. Autokratische Herrschaften verstehen sich legitim, ohne Befragung des Volkes und jeder Machtkontrolle entzogen.
(Meyers Enzyklopädisches Lexikon)
derzeitige Autokraten:
Alexander III. (1881-1894)
Nikolaus II. (1894-1917)
b)Regierung
Außenpolitik
- Imperialismus
Ausdehnung in den Fernen Osten, Zentralasien
=) Probleme mit dem britischen Reich
Lösung: 2 Verträge 1887/1895
(Parmirgebiet als Pufferzone)
1907 Abgrenzung der Interessensphären
=)Probleme mit Japan:
Rußland besetzt Mandschurei, Interessenkonflikt Korea
=)russisch-japanischer Krieg (1904-1905)
vernichtende Niederlage für die russische Armee und Flotte bei chinesischen Landkriegsschauplätzen (Mudken) und der Seeschlacht bei Tsushima
- Bündnispartner
°1887 Rückversicherungsvertrag mit Deutschland
1890 nach Sturz Bismarcks nicht verlängert
°1892 Militärkonvention =) vertragliche Bindung an Frankreich
2. Innenpolitik
Zarenreich steckt in einer Krise; alle Versuche durch halbherzige Reformen oder Kriege von den Problemen abzulenken scheitern; viele
Demonstrationen, Aufstände und Märsche; Zar wird vom Adel unterstützt, muß aber dem Druck der Bevölkerung nachgeben
-17. Oktober 1905 „Oktobermanifest"
° Einrichtung eines gewählten Parlamentes („Duma")
° Garantie der bürgerlichen Freiheit
=) alle Gesetze sind vom Reichsrat und dem Zaren zu genehmigen;
Zar hat in Fragen der Modernisierung die absolute Entscheidungsgewalt;
Notverordnungen
-10.05.1906 Verfassung durch Reichsgrundgesetze
-1.Duma (1906) durch Wahlen
Parteien:
° Konstitutionelle Demokraten (Kadetten)
Soziale Basis: schwach entwickelte Bürgertum; liberale Reformen, Einführung eines parlamentarischen Systems; stärkste Fraktion
° Sozialrevolutionäre
ländliche Bevölkerung; revolutionär - sozialistische Umgestaltung des Landes
° Sozialdemokraten
2 Lager: -Menschewiki =) Reformpolitik
-Bolschewiki =) Wahl boykottiert
° „Oktobristen" (konservative Partei)
Wirtschaftlich besser gestellte Grund- und Gutsbesitzer
Volk ist nicht zufrieden =) Auflösung der 1.Duma
-2.Duma (1907)
65 oppositionelle Sozialdemokraten werden verhaftet und nach Sibirien verbannt; neues Wahlgesetz =) Ausschluß der Bevölkerung
-3.Duma (1907-1912)
regierungsfreundliche Mehrheit
° Agrarreform (1906-1911) von Ministerpräsident Stolypin
Ziel: Entstehung eines bäuerlichen Mittelstandes
=) eigener Grund und Boden; kein Kollektiveigentum mehr
=) Flurbereinigung zum rationellerem Arbeiten
=) Siedlungsprojekt in Sibirien und Zentralasien
alles geht aber nur schleppend voran
-1913: 300jähriges Bestehen der Romanow - Dynastie
Zar ist es nicht gelungen, Demokratisierung von Staat und Gesellschaft entscheidend voranzutreiben; nur konstitutionelle
Zugeständnisse;
Parteien außerhalb jeglicher politischer Verantwortung
=) „Scheinparlamentarismus"
- Wirtschaft (zwischen1880 und 1914)
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- Rußlands Standard zur Jahrhundertwende: „Entwicklungsland"
- Definition: u.a. ungenügende Nahrungsversorgung
- niedriger Lebensstandard
- schlechtes Sozialwesen
- traditionelle Wirtschaftsformen verbunden
- mit einigen Industrieansätzen
- Kapitalmangel für Investitionen
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- Rußlands Standard nach 1900: „Schwellenland"
- Definition: u.a. schlechter Lebensstandard
- schlechtes Sozialwesen
- Industrieaufbau bis über 50%
- Kapital für Investitionen
Typisch ist auch, daß die gesellschaftliche
- Verhältnis Landwirtschaft und Industrie
- Agrarstaat (Bauern 80% der Bevölkerung, Industriearbeiter saisonbedingt 5%) mit punktförmigen Industrieansätzen (Moskau, St. Petersburg u.d. sog. Hüttenbezirk)
- Hauptgrund: Zaren fürchten westl. Fortschritt
(Industrie/ Technik) als Verbindung zum Liberalismus, der Umsturzgedanken auslösen kann
- Reformversuche 1856 „Bauernbefreiung": Leibeigenschaft kann gegen hohes Entgelt aufgelöst werden
- Industrialisierungsversuche ab1881 unter Finanzminister Witte, die aber von einer Wirtschaftskrise (Inflation) unterbrochen werden bis
zur Revolution 1917
- Inflation ausgelöst durch Erhöhung der Staatsschulden (zur Finanzierung der Reformpläne gibt vor allem Frankreich hohe Kredite) und
sinkendem Lebensstandard der Bevölkerung (Vermehrung der gering entlohnten Industriearbeiterschaft; vom Staat geregelter Getreideexport nimmt den Bauern zuviel = Produkte (der Industrie) finden
kaum Abnehmer)
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- Landwirtschaftliche Nutzungsvoraussetzung
- Klima
- Norden sehr tiefe Temperaturen und mäßige Niederschläge (300- 500mm)
- = Boden zu feucht
- Süden heiße Sommer mit mäßigen Frühjahrsniederschlägen (300- 400mm)
- =Boden im Sommer sehr trocken
- Osten meist große Winterkälte und Frost vom Frühherbst bis Spätfrühjahr
- = hohes Risiko für Getreideanbau
- Steppengebiet (Süden und Osten) sehr geringer Niederschlag und heiße, trockene Winde
- =ausgedörrter Boden und Erosionsgefahr
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- 50% Rußlands hat eine Wachstumszeit von unter 100 Tagen, die nicht alle frostfrei sind
- 30% ist landwirtschaftlich nicht nutzbar (15% Tundra, 10% Wüste)
- Boden: 50% Rußlands hat den Podsolboden (kalt, sauer und humusarm)
- =kann bei guter Düngung genutzt werden
- 12% Schwarzerdeböden (sehr fruchtbar)
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- Die Landwirtschaft in Rußland ist stark gefährdet und bringt den Bauern wenig ein:
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- Rohstoffpotential
- Reichtum in allen wesentlichen Gruppen:
- „klassische" industrielle Rohstoffe wie Kohle und Eisen (einschließlich den Stahlveredlern Mangan, Chrom und Eisen)
- Erdöl und Erdgas, die im Zarenreich jedoch wenig Bedeutung haben
- Buntmetalle wie Kupfer, Blei, Zink, Nickel, Kobalt, Wolfram, Blei und viele andere, die für eine moderne Maschinenindustrie
unentbehrlich sind
- Grundstoffe der chemischen Industrie wie Apatit, Phosphorite, Kali- und Natronsalze
- Gold, Platin und Edelsteine
- Eine solche Rohstoffsituation ist eine solide Basis für einen Industriestaat. Allerdings werden im Zarenreich fast 50% und
mehr eingeführt.
- Probleme: Lagerstätten oft unzulänglich (Sibirien) und kaum Umsetzungsmöglichkeiten
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- Hauptindustriezweige
- Eisenbahn: Anschluß an Sibirien und Imperialismus
- Ölindustrie von Schweden finanziert
- Textilindustrie vom Deutschen Reich finanziert
Ausland profitiert (daher Finanzierung), R . abhängig vom ausländischen Markt
Zu Beginn des 19. Jh. In fast allen Industriezweigen an 4. Stelle der Weltrangliste, jedoch ohne Bezug zur Bevölkerungsdichte.
1914 den Status des Entwicklungslandes hinsichtlich der Wirtschaft verlassen.
Industriepotential
von 1880 bis 1913 gemessen an Großbritannien (GB) 1900 = 100
Vergleich der russischen und der deutschen Industrieentwicklung,
weil beide Länder 1880 ungefähr gleiche Zahlen aufweisen und die Unterschiede besonders deutlich werden.
1880 Rußland (R) hat ein Industriepotential von 24.5
Deutschland (D) 27.4
1900 R`s Entwicklung schleppend, nur Steigerung um 23 Punkte
D dagegen (fast) doppelt soviel, nämlich 43.8 Punkte
1913 verbessert sich R nochmals um 29.1 Punkte, während
D 66.5 Punkte zulegt
Insgesamt verläuft die Entwicklung der russischen Industrie proportional und im Gegensatz zum Westen nur schleppend,
d.h. R hat 1913 nur die Hälfte des dt. Industriepotentials; es liegt technisch, industriell und somit wirtschaftlich gegenüber D 10 und GB sogar
30 Jahre zurück (GB hat 1880 bereits den Stand R`s 1913)
Relative Anteile an der Welt - Industrieproduktion (in %)
Vergleich R/D
1880 D hat 8.5% Beteiligung an der Industrieproduktion,
R 7.6%
1900 D bereits 13.2 , das sind + 4.7
R nur + 1.2
1913 D zwar nur + 1.6, R aber -0.6
D insgesamt eine Steigerung der Industrieproduktion von 6.3% ,
während R in 33 Jahren nur 0.6% Steigerung
d.h. R`s Industrieproduktion stagniert im Zarenreich und ist für die Weltproduktion relativ unerheblich
Handelsbilanz
Außenhandel
Nahrungsmittel werden bis 1903 stark exportiert, dann sind die Zahlen (unerheblich) rückläufig
durchschnittlich werden 56% der Nahrungsmittel ins Ausland
verkauft, eingeführt werden durchschnittlich 19%
= R ist ein Selbstversorger und der Staat finanziert sich hauptsächlich über den Verkauf seiner Nahrungsmittelproduktion
Nahrungsmittel, die zwar wichtig sind , aber heimisch nicht oder nur gering produziert werden können, müssen nur zu 20% eingeführt werden
Risiko: zu hohe Abgaben von (Vorrangig) Getreide ans Ausland (Bauernarmut) , gerade wegen der geringen und risikobehafteten Nutzbarkeit des
Landes (Klima, Böden) angesichts der Bevölkerungsgröße
Fertigprodukte werden zunehmend exportiert (in 33 Jahren + 2% Punkte) , durchschnittlich werden jedoch nur 5% Fertigprodukte exportiert,
dagegen werden durchschnittlich 30% importiert
= R`s Wirtschaft hat sich auf den Verkauf von Nahrungsmitteln als Wirtschaftsträger eingestellt (das Land produziert hauptsächlich
Nahrungsmittel) , die Industrie gewinnt zwar Anteile am Außenhandel, ist aber mit 5% doch kaum gewichtig
(Ausgebildete) Arbeitskräfte
Ausgebildet ist nur eine geringe Bevölkerungszahl, die Hauptarbeitskräfte sind in der Landwirtschaft beschäftigt,
eine kapitalkräftige Bürgerschicht fehlt
(siehe auch „Gesellschaftsordnung")
3Soziale Entwicklung
- Vielvölkerstaat ohne Verfassung
verlorener Krieg = größeres Elend
- Arbeiter 1905 unzufrieden; erflehen Hilfe beim Zaren; vergeblich; Antwort des Zaren ist Gewalt =) hunderte von Toten durch Eingreifen
kaiserlicher Garden; „Blutiger Sonntag"
=) revolutionäre Unruhen in Großstädten
Reformmaßnahmen durch Zaren als Reaktion(1., 2., 3. Duma), die jedoch keine wesentliche Veränderung bringt, da Zar Oberbefehl behält
ländliche Bevölkerung politisch Aktive als Sozialrevolutionäre, die in Volksversammlung einziehen durften.
Arbeiterpartei Vertreter des Proletariats
In 3. Dumaperiode (1907-1912) Agrarreform:
Mehrheit der Landbevölkerung jedoch weiterhin in großer Armut, da zu mittellos, um sich sofort von Lehnsherren loszulösen (= langfristig
angelegte Reform); hohe Geburtenrate, da traditioneller Agrarstaat; hohe Sterberate (Hunger, keine Weiterentwicklung in Medizin, schlechte Lebensbedingungen)
29% der männlichen und 13% der weiblichen Bevölkerung konnte lesen
durch schlechten Zustand der Bevölkerung kaum Kriegsmotivation im Volk
revolutionäre Bewegungen zeigen Rückhaltslosigkeit der Regierung im Volk
Versorgungsschwierigkeiten
ständiger Vergleich der russischen Bevölkerung mit Europa =) Neid
hebende allgemeine Volksbildung, wachsendes Bewußtsein der Rückständigkeit

=) Gesellschaft mit Individualismus, Mobilität und Rationalität
Orientierungslosigkeit, nicht genügend Anpassungsfähigkeit
- Kapitalarmut, Menschenüberfluß auf dem Lande, Polizei auf Seite der Unternehmer
- tiefgehende politische Aktivierung der Massen
- Charakterschwäche des Zaren Alexander III.; Unfähigkeit, die Massen, geschweige denn die Minister auf seine Seite zu ziehen; vom Hofe und
Bürokratie zunehmend gehaßt
Einschätzung der Kampfstärke
kein Rückhalt des Zaren im Volk
Rüstungsausgaben in Mill. Mark:
1905: 1069
1910: 1435
1913: 2050
Bestand an Groß - Kampfschiffen:
12 im Bau
Truppenstärke: 12 Millionen (1897)
Einwohnerzahl: 111,9 Millionen
schwerfällige russische Mobilmachung
Rußland durch Revolution geschwächt
Waffen - /Munitionstransport schwierig, da Eisenbahn(netz) nicht sehr belastbar
Yvonne Stuff, Stephanie Cordes, Corinna Blum
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