Letzte Änderung: 31.03.2012

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Sophie und Hans Scholl

l. Soziale Herkunft

Die Geschwister Sophie und Hans Scholl gehörten zum Kern der "Weißen Rose", einer der bekanntesten Widerstandsbewegungen gegen das Naziregime. Hans wird als zweites von fünf Kindern von Robert und Magdalena Scholl am 22.09.1918 in Ingersheim geboren. Seine Schwester Sophie erblickt drei Jahre später, am 09.05.1921 in Forchtenberg das Licht der Welt. Ihr Vater Robert ist bis 1930 Bürgermeister der Gemeinde Forchtenberg im Kochertal. Er steht dem Nationalsozialismus sehr kritisch gegenüber Die große Begeisterungsfähigkeit der beiden Geschwister läßt sie anfangs jedoch zu eifrigen HJ-Mitgliedern werden. Sie lassen sich zunächst von Appellen an ihr Nationalgefühl und soziale Interessen blenden. Von ihren Eltern wird dies kritisch beäugt, doch dieser Sorge bedarf es nicht. Sophie distanziert sich schnell, da sie vor allem den Antisemitismus ablehnt, der es z.B. einer nichtarischen Freundin unmöglich macht, in den BDM einzutreten. Ihr Bruder Hans, der es zunächst zum Fähnleinführer in der HJ bringt, erfährt ebenfalls eine Ernüchterung, als er bei dem Nürnberger Reichsparteitag 1935, zu dem er eingeladen wird, sieht, wie sich Hitler und andere Naziführer in antikommunistischen und antisemitischen Ausfällen ergeben und die Gesetze verkündet werden, die nur den, der "gewillt und geneigt ist, in Treue dem deutschen Volk und Reich zu dienen", als Staatsbürger anerkennen. Der hier gezeigte Fanatismus und die Ablehnung jeglichen selbstständigen Denkens stoßen ihn zutiefst ab. Nachdem nun auch Hans der HJ den Rücken zuwendet, treten die fünf Kinder der Familie Scholl in eine freie Jugendorganisation ein, die in der Tradition der Wandervogelbewegung steht. In einem Schlag der Nationalsozialisten gegen alle nicht gleichgeschalteten Bünde werden im Herbst 1937 vier der Scholl-Kinder verhaftet und unterschiedlich lange festgehalten; Sophie einen Tag, Hans fünf Wochen lang. Nach diesem Ereignis wenden sich die Geschwister Scho1l entschieden und endgültig vom Hitler-Staat ab.

2. Formen ihres Widerstandes

Hans verliert nie sein großes Ziel vor Augen, ein Universitätsstudium zu absolvieren. Für Philosophie und Staatswissenschaften, die er gerne studieren würde schreibt er sich nicht ein, da sie nur faschistische Ideologie bieten. Das Medizinstudium ist für ihn zunächst nur ein Kompromiß, doch während seines Studiums setzt er sich sehr stark mit den Gedanken der antiken Philosophen, der Klassiker und besonders intensiv auch mit dem Christentum auseinander. Hierbei zeigt sich auch deutlich der Einfluß des Vaters. Hans' Studium wird jedoch vom Krieg überschattet Die Erfahrungen, die er beim Frankreichfeldzug 1940 und beim Fronteinsatz in Rußland 1942, als Angehöriger einer Studentenkompanie in einem Feldlazarett macht, beeindrucken ihn sehr: "Der Krieg läßt nicht zu, daß der Mensch als Mensch sein Leben beendet." In Diskussionen mit seinen Freunden reift der Gedanke, sichtbaren Widerstand gegen das Regime zu leisten. Am 9. .Mai 1942, ihrem 21. Geburtstag, zieht auch Sophie nach München, um dort Biologie und Philosophie zu studieren. Sie wird schnell in den Freundeskreis ihres Bruders aufgenommen, dessen politische Ansichten sie teilt. Beeinflußt von Manfred Eickemayer, der ihnen von den Greueltaten der Wehrmacht und der SS berichtet, beschließen sie endgültig, gegen das Hitlerregime aktiv zu werden. Sie bilden die Weiße Rose, deren Kern aus den 21- bis 25jährigen Studenten Hans und Sophie Schall, Alexander Schmorell, Willi Graf und Christoph Probst besteht. Der Universitätsprofessor Kurt Huber, dessen regimekritische Einstellung auch in seinen Vorlesungen deutlich wird, unterstützt die Studenten in ihrem Denken und Handeln. Um die Öffentlichkeit wachzurütteln und um ihnen die Grausamkeit und den Wahnsinn des Nationalsozialismus vor Augen zu führen, entwerfen sie vier Flugblätter, die sie in der Zeit vom 27. Juni bis Ende 1942 in München in die Briefkästen einer ausgewählten intellektuellen Oberschicht werfen. Diese Flugblätter sind stilistisch sehr schön und auf einem hohen Sprachniveau abgefaßt. Sie apellierten an christliche Wertvorstellungen, klären über die Taten von Wehrmacht und SS auf und fordern gleichzeitig auf, Widerstand zu leisten. Außerdem sammeln die Mitglieder der Weißen Rose z.B. auch Brot für die Insassen von Konzentrationslagern und verweigern Spenden für NS-Institutionen. Das Anfang 1943 erscheinende fünfte Flugblatt und das im Februar desselben Jahres erscheinende letzte Flugblatt unterscheiden sich deutlich von den ersten vier schöngeistigen Schreiben. Die letzten zwei sprechen deutlich die Sprache des Volkes und offenbaren ihre Botschaft unverblümt. Nach dem Fall Stalingrads am 2. Februar bemalen Willi Graf , Alexander Schmorell und Hans Scholl nachts das Universitätsgebäude mit Freiheitsparolen. Außerdem verteilen Hans und Sophie, im Gegensatz zu der sonst üblichen Vorgehensweise der Weißen Rose, während den Vorlesungen das sechste Flugblatt im Universitätsgebäude. Sie werfen auch eine große Menge an Flugblättern über den Hof, wobei sie vom Hausmeister beobachtet werden, der sie festhält und die Gestapo ruft. Die Aktionen der Weißen Rose werden dem studentischen Widerstand zugeordnet. Es ist jedoch schwer zu sagen, ob das Verteilen der Flugblätter nun aktiver oder passiver Widerstand zu nennen ist. Ich persönlich würde es eher dem aktiven Widerstand zuordnen, da die Studenten bis zur letzten Konsequenz zu dem standen, an was sie glaubten und was sie auch in ihren Flugblättern vertraten. Ihre ganze Vorgehensweise ist alles andere als passiv und bestimmt ganz entscheidend die letzten Jahre ihres jungen Lebens.


3. Motive für ihren Widerstand

Schon von Kindesbeinen an werden die Kinder der Familie Scholl zum kritischen Denken erzogen. Auch während der kurzen Zeit, die sie in der HJ verbringen, zeigt sich ihre nicht obrigkeitsgläubige Denkweise. Hans eckt des öfteren an, da er sehr gerne slawische Lieder singt, was ihm aber verboten wird. Das Buch seines Lieblingsdichters Stefan Zweig wird ihm weggenommen, wogegen er rebelliert. Er hat innerhalb der straffen Organisation der HJ keine Chance, seinen geistigen und musischen Interessen nachzugehen. Trotz der Gefahren des Krieges beteiligt sich die Familie Scholl am passiven Widerstand gegen den Nationalsozialismus, indem sie Bücher verbotener Schriftsteller, wie z.B. Thomas Mann, Werner Bergengruen oder Paul Claudel lasen. Besonders vom Vater wurden Hans und Sophie in ihrem Reifeprozeß stark beeinflußt. Der absolute Gehorsam, der in jeder Hinsicht in diesem totalitären Staat gefordert wird, widerspricht gänzlich ihren Grundsätzen. Geprägt durch ihre christliche Grundhaltung und einen stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn fühlen sie, daß sie bei den furchtbaren Taten Hitlers nicht einfach wegschauen dürfen. Sie fordern die Abschaffung von Imperialismus und Militarismus sowie mit Hilfe der europäischen Völker die Wiedereinführung eines Rechtsstaates in Deutschland.

4. Konkrete Vorwürfe der Weißen Rose gegen das NS-System

Verbrechen gegen die besiegten Völker und in den besetzten Gebieten ( II-IV ) . Diktatur einer Clique, Tyrannei ( I ) . unnötige Verlängerung des Krieges ( VI ) . dilletantische Kriegsführung, Dummheit ( II-IV ) . eines Kulturvolkes unwürdige Handlungen im Namen Deutschlands ( I ) . Missachtung der Güter eines freien Menschen ( wie z.B. Freiheit der Rede, Freiheit des Bekenntnisses, Schutz vor Willkür usw. (V) Verantwortungslosigkeit ( Stalingrad ) ( VI )
(Die Zahlen beziehen sich auf die Nummerierung der Flugblätter I - VI)

5. Das Vorgehen der Staatsmacht gegen die Geschwister Scholl und die anderen Mitglieder der Weißen Rose und die Folgen ihres Widerstandleistens

Sophie und Hans streiten bei ihrer Verhaftung ihre Taten nicht ab. Auch bei den darauffolgenden viertägigen Verhören durch die Gestapo, denen sich auch der einen Tag später verhaftete Christoph Probst unterziehen muß, bleiben sie ruhig und weichen nicht von ihrem Standpunkt ab. Um ihre Freunde zu schützen, versuchen alle Schuld auf sich zu nehmen, was ihnen aber nicht gelingt, da bei einer Hausdurchsuchung verschiede Adressen gefunden werden. Auch vor den Familienvater Christoph Probst können sie sich nicht schützend stellen. Bei der Gerichtsverhandlung am 22. Februar 1943 werden alle drei zum Tode durch das Beil verurteilt. Bei seinem Gang zum Schafott schreit Hans durch das Gefängnis: "Es lebe die Freiheit!" Durch die schnelle Vollstreckung der Todesstrafe erfahren die Freunde der Scholls erst am nächsten Tag vom Tod der Geschwister. Der Familie Scholl wird in der Folge der Gerichtsverhandlung das Lesen verbotener Literatur vorgeworfen, wobei jedoch alle, bis auf den Vater Robert, der zwei Jahre einsitzen muß, wieder frei kommen. Durch die Adressen, die bei der Wohnungsdurchsuchung gefunden werden, werden die Verzweigungen der Weißen Rose in München und Hamburg aufgedeckt, wodurch im süddeutschen Raum 80 und im Hamburger Raum 50 Menschen festgenommen und zu Gefängnisstrafen verurteilt werden. Professor Kurt Huber und Alexander Schmorell werden am 19. April und Willi Graf am 12. Oktober 1943 hingerichtet

6. Vorbildfunktion der Geschwister Scholl

Mich interessierte dieses Thema, da ich wissen wollte, wie sich junge Menschen meines Alters in Zeiten verhalten haben, in denen jegliche Form des rebellischen Handelns drakonisch geahndet wurde. Sie lebten in einer Zeit, in der es fast unmöglich war, nichts zu sehen, in der das Wegschauen jedoch oft die einzige Möglichkeit war, zu überleben. Ich bewundere den Mut, den diese jungen Leute zweifellos haben mußten, um sich gegen die Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten eines Staates aufzulehnen, der nicht zögerte, ihrem Leben ein Ende zu setzen, Dieser Tatsache waren sie sich stets bewußt und waren doch stark genug, ihre Angst zu überwinden und nach ihrem Gewissen zu handeln. Die wenigsten von uns sind wohl zu Helden geboren, doch solange es noch einige gibt, sollte man den Glauben an die Menschheit wohl nicht verlieren.

(Elena Rave, 1997)

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